Ein Abend in der schönsten Stadt der Welt.

 
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T-Rude
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BeitragVerfasst am: 22.02.2006 17:08    Titel: Ein Abend in der schönsten Stadt der Welt. Antworten mit Zitat

Vom Autoknast erfuhr ich erstmalig durch die ortsansässige Polizeidienststelle, welche mir mitteilte, dass ich meinen ursprünglich in einer normalen Parkbucht abgestellten Wagen dort wiederfinden würde. Als Abschleppgrund wurde mir "Verkehrsbehinderung" mitgeteilt. Auf meine Nachfrage, wie genau ich denn in einer Parkbucht den Verkehr behindern könnte, wurde der Vorwurf geändert in "indirekte Verkehrsbehinderung". Nun interessierte mich, wo ich denn in der Straßenverkehrsordnung diesen Begriff finden würde. Das wußte der Beamte auch nicht, also einigten wir uns einfach darauf, dass ich nun mal der Doofe sei, der nun sein Auto aus dem Gewahrplatzdingsbums herausholen müsste. "Bitte nehmen Sie genug Bargeld mit, der EC-Automat dort ist kaputt!" Aha. Na gut, also erst zur Bank, dann zur S-Bahn, Fahrt nach Tiefstack. Es ist Nacht.

Tiefstack ist in etwa vergleichbar mit einer verlassenen Hollywood-Westernstadt: man erwartet beim Aussteigen aus der S-Bahn, dass der Wind kleine Dornbüsche den Bahnsteig längsfegt. Im Hintergrund ein festlich beleuchtetes Kraftwerk. Der Fahrkartenautomat ist zertreten, das Neonlicht in der zu groß geratenen Tunnelhalle flackert. Erinnert mich an Doom 2. Draußen ist es dafür um so dunkler. Fahrräder rosten mit Drahtzäunen um die Wette, irgendwo Hundegebell und eine Sirene. Meine Güte, die Verkehrspolizei will den Falschparkern wirklich eine Lektion erteilen. Wo findet man eigentlich in Hamburg einen mieseren Ort? Wenn auch die ortsansässigen Kleinkriminellen wissen, dass der EC-Automat der Verwahrstelle kaputt ist, dann können sie also wirklich davon ausgehen, dass jeder, der hier längs geht, die Taschen voll Bargeld hat. Endlich oben an der Straße. Aha, eine Bushaltestelle. Na ja, stündlich fährt der Bus, und ist grade weg. Die etwa hundert Hausnummern sind also zu Fuß zurückzulegen bis zum Autoknast. Auf wundersame Art und Weise sind es jedoch nur ein paar hundert Meter.

Das Auslösen des Autos gestaltet sich überraschend komfortabel. Großzügig personalbesetzt zeigt sich der Autoknastpalast (haben ja auch genug Geld zur Verfügung), die Mitarbeiter alle vom Schlag Ich-kann-nichts-dafür-ich-arbeite-nur-hier, der EC-Automat wurde zwischenzeitlich repariert. Drei osteuropäische ehemalige Kleinlasterbesitzer vor mir pöbeln einen der Ich-kann-nichts-dafürs an, aber der kann kein osteuropäisch. Ich bin dran. Hinter mir wutschnaubt sich ein weiterer Osteuropäer warm, dahinter tippt ein offensichtlich bereits autoabholerfahrener Schlipsträger auf seinem iPAQ rum. Gut besucht hier.

Am nächsten Tag festgestellt: neben der kostspieligen Falschparkerurkunde hinterließ mir auch das Abschleppunternehmen (die Firma Clasen) ein Andenken an den schönen Abend in Form von ein paar Dellen auf dem Autodach, eindeutig in der Form des Abschleppbalkens. Nun hat das Auto schon Schlimmeres gesehen als diese Dellen, aber für über fünfhundert Mark darf ich doch schon verlangen, dass sie mir die Karre heillassen. Na gut, Schäden fotografiert, Schaden vom Autohändler schätzen lassen und zum Versicherer des Abschleppers (Dekra) geschickt (an den verwies mich die Beschwerdestelle der Polizei). Dort wies man mich geübt rechtssicher darauf hin, dass ich ja den Beweis antreten müsste, dass der Schaden durch den Abschlepper verursacht worden ist, und das würde mir ja wohl schwerfallen, höhö. Sehr lustig. Naturgemäß ist der Autobesitzer im Moment des Abschleppens nicht in der Nähe seines Wagens. Sonst würde er kaum zulassen, dass er überhaupt abgeschleppt würde.

Also, Fazit: ein gepflegt ruinierter Abend in der Endzeitathmosphäre von Tiefstack; 280 Euros für eine Dienstleistung, die ich gar nicht bestellt habe und auf die ich keinen Wert lege; ein zerbeultes Autodach, deren Verursacher sich die Hände in Unschuld wäscht; ach ja, und was über "indirekte Verkehrsbehinderung" in einer Parkbucht gelernt. Nicht schlecht.

Aber 'ne Menge zu erzählen.
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Andre



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BeitragVerfasst am: 22.02.2006 17:45    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo T-Rude,
vielen dank für den wirklich gelungenen Beitrag.
Mit dem Autodach würde ich auf jeden Fall dran bleiben.
Ich bin mir gar nicht so sicher ob der Fahrzeughalter in der Beweispflicht ist.
Ist es nicht so, das der Abschlepper erkennbare Beschädigung festhalten müssen (Bild/Schriftlich)?

Hier könnten vielleicht Schleppknecht und OrLi beraten.

Gruß
André
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T-Rude
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BeitragVerfasst am: 24.02.2006 21:30    Titel: In dubio pro reo? Antworten mit Zitat

Hmmm, interessanter Aspekt, aber wie würde denn dies funktionieren? Die Abschlepper müssten dann ja jedes abgeschleppte Auto vor und nach ihrer "Behandlung" komplett abfotografieren. Denn wenn sie es nur einmal tun, und die Beschädigung ist zu sehen, dann war sie eben schon vorher dran. Und wenn die Beschädigung nicht zu sehen ist, dann ist sie eben erst nach dem Abholen des Wagens meinerseits geschehen. Sie könnten sich also in jedem Falle rausreden.

Es scheint jedoch tatsächlich so zu sein, dass Fotos gemacht worden sind. Der zuständige Stinkstiefel beim Versicherer entgegnete mir gegenüber jedoch, die Fotos würden sie kaum freiwillig rausrücken, sondern erst im Rahmen eines (zweifellos von mir anzustrengenden) Verfahrens vorzeigen.

Weiß vielleicht jemand, wie das Prozedere der Abschlepper aussieht, was das Fotografieren angeht?
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IudexNonCalculat
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BeitragVerfasst am: 25.02.2006 08:27    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

wo der Fall "Schäden beim Abschleppen" angesprochen worden ist:
Wenn jemand einem anderen einen Schaden zufügt, dann hat der andere in der Regel einen Schadensersatzanspruch - soweit, so klar.
Wer einen Anspruch geltend machen will, muß in der Regel die den Anspruch begründenden Tatsachen darlegen und im Bestreitensfall beweisen.
Dabei ist zu beachten, daß Beweis nur dann erbracht werden muß, wenn ausreichend bestritten worden ist. Allgemein gilt dabei: Je ausführlicher der Tatsachenvortrag, desto ausführlicher muß ggf. auch bestritten werden.
Wenn also an einem Wagen in einem Abschleppfall ein abschlepptypischer Schaden entstanden ist und in einem Schadensersatzprozeß die Umstände dargelegt werden, dürfte ein einfaches Bestreiten der Gegenseite schon nicht mehr ausreichen. Aber selbst wenn substantiiert bestritten werden sollte, kann das Auto von einem Sachverständigen begutachtet werden und dies dem Gericht als Beweis ausreichen.

Es empfiehlt sich also, einen Rechtsanwalt zu konsultieren, der wird schon wissen, wie er mit der Gegenseite umgeht - und die werden es nicht in jedem Fall auf einen Prozeß ankommen lassen, der Fall riecht doch nach vergleichsweiser Einigung!

Einen Rechtsanwalt sollte man auch deswegen in Anspruch nehmen, weil dieser erkennen kann, wie man am besten vorgeht (dabei ist z.B. zu beachten, wen man in Anspruch nimmt - evtl. gibt es mehrere "Anspruchsgegner", s. auch in den FAQ zur Rechtslage!).

Ohne auf den Einzelfall eingehen zu wollen (das verbietet das RBerG), also allgemein bleibend: Ein Rechtsanwalt ist nicht billig, aber bevor man den Schaden selbst trägt, ist es vielleicht doch billiger, den Schaden durch einen Rechtsanwalt geltend zu machen (jedenfalls dann, wenn Aussicht auf Erfolg besteht).
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BeitragVerfasst am: 28.02.2006 21:45    Titel: gucken Antworten mit Zitat

Moin moin

Bevor ein PKW abgeschleppt worden wird, ist es die Pflicht eines Polizeibeamten nachzuschauen, ob sich am Fahrzeug ein Schaden befindet. Dieses wird auf dem Abschleppbericht auch beschrieben bzw. angekreutzt. Wenn der Polizeibeamten nun keinen sSchaden festgestellt hat und dieses im bericht vermerkt, dürfte die Rechtslage relativ klar sein, zumal es sich um einen Abdruck einer Traverse handelt.

Gruß

MW

P.S.: Ich habe gehört, dass es Polizeibematen gibt, die schauen nicht genau hin und kreutzen immer an "kein Schaden" Cool
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BeitragVerfasst am: 03.03.2006 20:40    Titel: Antworten mit Zitat

ach, was heißt es schon, ob ein Polizeibeamter sein Kreuzchen gemacht hat oder nicht?
Wenn er angekreuzt hat, daß vorher kein Schaden bestand, ist das lediglich ein Indiz, daß das so gewesen ist - je weniger offensichtlich der Schaden aber war, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, daß er den Schaden vielleicht übersehen hat und desto geringwertiger ist das Indiz ...
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BeitragVerfasst am: 04.03.2006 16:24    Titel: . Antworten mit Zitat

Moin moin
Es heißt eine Menge, wo ein Polizeibeamter ein Kreutz macht oder nicht. Wenn er keines macht ist es "Kundenfreundlicher" als wenn er eines machen würde, wo kein Schaden ist. Ein Kreutz mus so oder so gemacht werden.

Und die Aussage eines Polizeibeamten hat eine Menge Wert. Immerhin Unterschreibt der Beamte für jeden seiner berichte.

Gruß

MW
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BeitragVerfasst am: 06.03.2006 13:10    Titel: Ach ja.... Antworten mit Zitat

was vielleicht auch ganz interessant sein dürfte für unsere Rechtsverdreher...
Der Abschlepfahrer ist verplichtet eventuelle Schäden am Wagen zu fotografieren. Ebenso macht es der Verwahrplatz.
Kommt ein Auto am Verwahrplatz an sagt der Schlepperfahrer, KFZ hat dort und dort Schäden aufzuweisen die schon in seiner Digi-Cam. aufgenommen wurden, der Platzwart macht ebenfalls Fotos und notiert diese wie der Schlepperfahrer auf einem Kurzbericht...

Soviel zur Beweislast...
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IudexNonCalculat
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BeitragVerfasst am: 11.03.2006 09:01    Titel: Antworten mit Zitat

Na, mit der Beweislast hat das nicht viel zu tun, sondern nur mit der Nachweisbarkeit - schließlich wollen sich Polizei, Abschlepper und Verwahrer im eigenen Interesse entlasten können, nachweisen können, daß sie den Schaden nicht verursacht haben, daß er schon vorher bestand.

Zum Kreuzchen des Polizisten: Jedem Gericht ist bekannt, daß ein Mensch Fehler machen kann, und so eben auch ein Polizist. Wenn ein Polizist "keine Schäden" ankreuzt, spricht das zwar das dafür, daß es keine gab, es schließt aber nicht den Nachweis aus, daß doch Schäden vorlagen.
Rechtlich gesehen ist das also für den Kunden vorteilhaft, bedeutet aber nicht den sicheren Prozeßgewinn (den es ja sowieso nie gibt: Vor Gericht und auf hoher See ...;-( ).
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heinrich
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BeitragVerfasst am: 11.03.2006 11:16    Titel: Antworten mit Zitat

wie war das...
wer den autoknast nicht kennt,hat den unfähigen ,trügerischen senat verpennt....
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BeitragVerfasst am: 13.03.2006 15:37    Titel: . Antworten mit Zitat

Wiso unfähig?

Der Senat hat endlich reageiert und verlangt sofort Geld. Dadurch werden Steuergelder gespart, die für Klagen notwendig waren.

Gruß

MW
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BeitragVerfasst am: 15.03.2006 08:00    Titel: Antworten mit Zitat

"Dadurch werden Steuergelder gespart, die für Klagen notwendig waren." - inwieweit? Die Bußgeldsache wird auch weiter vor Gericht gehen, wenn der Betroffene nicht überzeugt (oder rechtsschutzversichert!) ist, und wegen des Abschleppens ist nun eine weitere Beschwer hinzugekommen, die ggf. auch gerichtlich zu klären ist.
Angesichts der relativ hohen Kosten und der daher fraglichen Verhältnismäßigkeit ist es auch nicht auszuschließen, daß der Betroffene vor Gericht obsiegt - daß da Steuergelder gespart werden, vermag ich so pauschal nicht zu sehen!
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BeitragVerfasst am: 15.03.2006 13:47    Titel: . Antworten mit Zitat

Moin moin

Es wird aber sicher so sein, dass viele nicht klagen werden, weil sie, nicht wie früher, erst später bezahlen, sondern weil sie gleich bezahlen müssen.

Die Hemmschwelle, sein Geld wider einzuklagen ist höher als die, bei nichtbezahlen es auf einen Rechtsstreit ankommen zu lassen.

Und so werden mit Sicherheit viele es sich zweimal überlegen, ob sie wirklich im Recht sind.

Und machen wir uns nichts vor, eine sehr große Zahl der Abschleppvorgänge ist rechtmäßig. Meine Vermutng liegt da im 95+X Bereich.

Von daher werden so sicher viele unnütze Klagen "abgeschmettert".

Selbst wenn die Kosten vom "Falschparker" letztendlich bezahlt werden, ergibt sich immer noch ein großer Zinsverlust.

Gruß

MW
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